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Fast drei Wochen lang habe ich damals die Ostsee-Strände von Usedom, Poel und Rügen nach Hühnergöttern abgesucht, nachdem mir eine Seminarteilnehmerin von diesen faszinierenden  Feuersteinen mit dem Loch erzählt hatte.

Bei meiner Internetrecherche entdeckte ich, dass man den „Hühnergöttern“ mit ihrer außergewöhnlichen Naturerscheinung eine ganze Reihe von Eigenschaften und Kräften zuschreibt. Mit einem Faden an die Hühnerstange gehängt  sollen sie die Hühner zu besserer Legetätigkeit anregen, vor bösen Geistern sollen sie schützen und als Anhänger an einer Kette einfach ein schönes Schmuckstück sein.  Für viele Menschen sind sie Glücksbringer, Dekoartikel oder Urlaubsmitbringsel.

Aber bei meiner Geschichte geht es um etwas anderes. Ich hatte für diesen Urlaub ein klares Ziel. Ich wollte um jeden Preis einen Hühnergott finden. Und obwohl ich mich bei Wind und Wetter drei Wochen lang täglich anstrengte, einen dieser Lochsteine zu finden, fand ich nicht einen einzigen.

Als ich ein Jahr später an die Ostsee zog, „sprangen“ sie mir dann fast entgegen.  In allen Formen und Größen und Farben. Mittlerweile habe ich eine ganze Hühnergott-Sammlung zuhause, da ich bei jedem Spaziergang am Meer mindestens einen dieser  schönen Steine finde.

Woran das liegt? Ich weiß es nicht genau, vielleicht liegt es daran, dass sich die Art meiner Suche verändert hat.  Ich erinnere mich,  dass ich damals sehr  verbissen und verkrampft unbedingt einen dieser Steine finden „musste“. Ich war enttäuscht, wenn ich den Blick angestrengt nach unten die Strände ablief, um dann am Ende des Tages erfolglos ins Wohnmobil zurückzukehren.

Heute laufe ich anders am Strand entlang. Ich „muss“ keinen Stein finden, obwohl ich die Steine bei meinen Spaziergängen im Hinterkopf habe und mich immer noch über jeden einzelnen freue. Mein Blick richtet sich immer wieder auch auf den Sand und die Vielfalt an Strandgut, aber ich liebe es ebenso,  weit zu schauen, über das Meer hinaus bis zum Horizont. Ich nehme das, was rechts und links von mir ist, noch stärker wahr und  häufig liegt dann ganz „plötzlich“ wieder einer dieser Zaubersteine vor mir.

Mir hilft der Gedanke an die Hühnergötter, wenn ich wieder einmal zu ungeduldig bin und  ich „jetzt und sofort“ ein Ziel erreichen will. Oder  wenn ich denke, dass Dinge unbedingt passieren müssen und enttäuscht bin, falls es anders kommt.  Ich glaube, dass es gerade dann wichtig ist, entspannt zu bleiben, tief durchzuatmen und trotzdem Schritt für Schritt weiter zu gehen. Dabei kann es sich durchaus lohnen,  auf dem Weg zu unserem Ziel auch dem, was uns noch begegnet, unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Nicht jeder Stein, der kein Hühnergott ist, ist hässlich und unbrauchbar sondern stellt sich- manchmal vielleicht erst auf den zweiten Blick- als echter Schatz heraus;-)

 

 

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Herzliche Grüße

Jana